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Ein Zuhause für Tiere die
keiner haben will: Bei Ingrid Kleinwechter werden sie umhegt und gepflegt.
Dieser Zeitungsbericht stammt aus der " Passauer Neuen Presse " vom Samstag den 06.05.2000
Zur Zeit hat sie 77 Schützlinge
zu betreuen - Die meisten sind alt oder krank - Haus eigens dafür umgebaut
Riedelsbach:
In Ingrid Kleinwechters Haus leben 77 hilfsbedürftige
Tiere und fast täglich kommen neue hinzu. Fünf Hunde, 60 Katzen, fünf Igel
und eine Taube beherbergt sie zu Zeit auf ihren Gnadenhof "letzte zuflucht" in Riedelsbach. Sie wurden von ihren früheren Besitzern
geschlagen, verstoßen, ausgesetzt oder weggegeben, weil sie ein körperliche
Gebrechen haben. Bei Ingrid Kleinwechter, die ihre Schützlinge aufopferungsvoll
und mit viel Liebe pflegt, haben sie ein neues Zuhause gefunden.
Wer Ingrid und Gottfried Kleinwechter in
ihren großen Haus in Riedelsbach besucht, darf keine Berührungsängste mit
Tieren haben. Besucher werden von den fünf Hunden Thommy, Charly, Snoffy, Bobby
und Paulchen stürmisch begrüßt und dabei misstrauisch von den wilden Katzen
beäugt, die vom Dachbalken des Hauses lugen. In der Küche balgen in einem Käfig drei kleine Kätzchen. Die
vier Wochen alten Katzenkinder wurden von Ingrid Kleinwechter und ihrer Schwägerin mit der Flasche großgezogen.
In einem Käfig neben dem Holzofen liegt eine Katze mit eingegipsten Bein: Ein
Beckenbruch und ein zertrümmerter Oberschenkel zwingen sie zum Stilliegen. Ihre
Besitzer wollten sie einschläfern lassen, doch der Tierarzt in Passau hat die
Katze lieber zu Ingrid Kleinwechter gebracht.
Im großen Katzenzimmer schmeicheln etwa 40 Samtpfoten Ingrid Kleinwechter um
die Beine, tollen durch den Raum, kuscheln in Körben oder liegen genüsslich
auf dem Sofa. Alle sind verspielt, verschmust und auch zu Fremden freundlich.
Durch zwei Katzenklappen können sie jederzeit nach draußen, in ein eingezäuntes
Freigehege. Aber auch die anderen Räume sind von Katzen erobert worden: In
einem Zimmer döst eine Katzenmama mit ihren beiden zwölf Tage alten Kätzchen.
Nebenan frisst die hochträchtige Katie gierig ihr Schälchen leer und in einen
weiteren Raum liegt das Größte Sorgenkind: eine Fundkatze, zum Gerippe
abgemagert, voller Flöhe und Würmer. Ob sie durchkommt, weiß Ingrid
Kleinwechter noch nicht. Dabei stehen der gebürtigen Österreicherin Tränen in
den Augen: "Jedes mal wenn eines meiner Tiere gehen muss, reißt es mir ein
Stützkerl Herz raus."
Doch Abschied nehmen muss Ingrid Kleinwechter oft: Entweder, weil die Tiere an
Familien weitervermittelt werden, oder weil die alten und kranken sterben. Pro
Jahr zieht Ingrid Kleinwechter über 100 Katzenbabies groß und werden unzählige Fundkatzen bei ihr abgeliefert. "Alle Tiere,
die vermittelbar sind , gehe ich in gute Hände. Die anderen, die keiner mehr
haben will, bleiben bei mir." Das sind Katzen und Hunde, die taub oder
halbblind sind, einen chronischen Schnupfen, Tumore, epileptische Anfälle oder
nur drei Beine haben. Wie zum Beispiel der Hund Thommy, ein riesiger Golden
Retriever-Leonberger-Mischling, den eine Gehirnstaupe zum Schwerstbehinderten
gemacht hat. Seit seiner sechsten Lebenswoche ist er bei Ingrid Kleinwechter,
die ihn vor dem Tod gerettet hat - sein Züchter wollte ihn nämlich erschlagen.
Für die Vierbeiner hat die ausgebildete Tierschutz-Inspektorin zusammen mit
ihrem Mann Gottfried und ihrer Schwägerin Waltraud Kleinwechter ein Paradies
geschaffen - mit erheblichem finanziellen Aufwand: Der Umzug von Klafferstraß
nach Riedelsbach, der Hauskauf und der Umbau - den Gottfried Kleinwechter, ein
gelernter Schreiner, größtenteils selbst bewerkstelligt hat - haben eine große
Summe Geld verschlungen.
Die Futter-, Tierarzt- und Personalkosten trägt zwar das Tierheim Wollaberg, für
das Ingrid Kleinwechter seit zehn Jahren bei der Mobilen Tierrettung arbeitet,
doch trotzdem bleiben an den Kleinwechters noch eine Menge Ausgaben hängen: die
Waschmaschine läuft mehrmals am Tag und Ingrid Kleinwechter kauft ihren
Lieblingen Spielzeug, Leckereien, Körbchen und Decken. Zudem wird ein weiteres
Katzenhaus gebaut.
Warum sich Ingrid Kleinwechter Tag und Nacht für ihre Tiere aufopfert, kann sie
gar nicht so genau sagen: "Jemand muss ihnen ja helfen".
Schlusswort:
Wenn ich all meine Lieblinge streichle und im Arm halte, bereue ich keine einzige Minute dieser aufopferungsvollen Arbeit.